Fische gehören zu den am häufigsten genutzten Tieren weltweit – und gleichzeitig zu den am wenigsten beachteten. Während Bilder aus der Massentierhaltung an Land zunehmend in der Öffentlichkeit diskutiert werden, bleibt das Leid unter Wasser oft unsichtbar. Sowohl in der Fischzucht als auch im industriellen Fischfang herrschen Zustände, die aus Tier- und Umweltsicht hochproblematisch sind.
Fischzucht: Enge, Krankheiten und Stress
Die sogenannte Aquakultur wird häufig als nachhaltige Alternative zum Wildfang dargestellt. Tatsächlich ist sie heute einer der am schnellsten wachsenden Bereiche der Lebensmittelproduktion. Doch hinter dieser Entwicklung stehen massive Probleme.
In vielen Zuchtanlagen leben Fische in extrem hoher Dichte – in Netzkäfigen im Meer oder in künstlichen Becken an Land. Diese Enge führt zu Stress, Verletzungen und aggressivem Verhalten. Krankheiten und Parasiten breiten sich unter solchen Bedingungen schnell aus, etwa Lachsläuse in Lachszuchten, die die Haut der Tiere angreifen und zu offenen Wunden führen können.
Um Verluste zu reduzieren, werden häufig Medikamente und Chemikalien eingesetzt. Diese gelangen nicht nur in die Umwelt, sondern können auch die Entwicklung von Resistenzen fördern.
Ein weiteres Problem ist die Fütterung: Viele Zuchtfische sind Raubfische und werden mit Fischmehl und Fischöl gefüttert – gewonnen aus wild gefangenen Fischen. Dadurch wird der Druck auf die Meere nicht verringert, sondern teilweise sogar verstärkt.
Das stille Leiden der Fische
Fische werden oft unterschätzt, wenn es um Schmerzempfinden geht. Doch wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sie über ein Nervensystem verfügen, das Schmerz und Stress verarbeiten kann.
In der Fischzucht sterben viele Tiere bereits vor der Schlachtung an Krankheiten oder Verletzungen. Beim Töten selbst fehlen oft standardisierte und tierschonende Verfahren. Häufig werden Fische:
- ohne Betäubung aus dem Wasser gezogen
- in Eiswasser erstickt
- durch Sauerstoffmangel getötet
Dieser Prozess kann mehrere Minuten dauern, in denen die Tiere unter starkem Stress und Erstickungsgefühl leiden.
Industrieller Fischfang: Effizienz um jeden Preis
Der Großteil der weltweit konsumierten Fische stammt aus dem Wildfang. Moderne Fangmethoden sind hoch effizient – aber auch extrem zerstörerisch.
Zu den problematischsten Methoden gehört die Grundschleppnetzfischerei. Dabei werden riesige Netze über den Meeresboden gezogen. Diese zerstören nicht nur Lebensräume wie Korallenriffe und Seegraswiesen, sondern fangen auch alles ein, was sich im Weg befindet.
Ein weiteres großes Problem ist der sogenannte Beifang:
- Delfine
- Schildkröten
- Haie
- Seevögel
Diese Tiere geraten unbeabsichtigt in die Netze und sterben oft qualvoll, obwohl sie wirtschaftlich nicht genutzt werden.
Leid beim Fang
Auch beim Fischfang erleben die Tiere erhebliches Leid. Sie werden:
- aus großer Tiefe an die Oberfläche gezogen (mit inneren Verletzungen durch Druckunterschiede)
- in Netzen zusammengedrückt
- an Bord oft langsam erstickt
Wie in der Fischzucht fehlt auch hier häufig eine sofortige Betäubung.
Überfischung: Wenn die Meere leer werden
Die intensive Nutzung der Meere hat gravierende Folgen. Viele Fischbestände sind bereits stark überfischt oder stehen kurz davor.
Überfischung bedeutet:
- Fischpopulationen können sich nicht mehr ausreichend erholen
- ganze Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht
- Nahrungsketten werden gestört
Wenn bestimmte Arten verschwinden, hat das Auswirkungen auf viele andere Lebewesen im Meer. In einigen Regionen sind die Bestände bereits so stark zurückgegangen, dass traditionelle Fischerei kaum noch möglich ist.
Auswirkungen auf das Ökosystem
Das Abfischen der Meere betrifft nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Lebensräume:
- Zerstörung des Meeresbodens durch Schleppnetze
- Rückgang von Raubfischen, die für das ökologische Gleichgewicht wichtig sind
- Veränderung der Artenzusammensetzung
- Verlust von Biodiversität
Langfristig gefährdet dies nicht nur die Tierwelt, sondern auch die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen, die von der Fischerei abhängig sind.
Ein unterschätztes Problem
Im Vergleich zur Tierhaltung an Land wird das Leid von Fischen oft weniger wahrgenommen. Dabei ist die Zahl der betroffenen Tiere um ein Vielfaches höher. Milliarden von Fischen werden jedes Jahr gefangen oder gezüchtet – meist unter Bedingungen, die kaum sichtbar sind.
Fischzucht und industrieller Fischfang stehen exemplarisch für ein System, das auf maximale Ausbeutung natürlicher Ressourcen ausgerichtet ist. Die Folgen sind weitreichend: Leid für unzählige Tiere und massive Schäden für die Ökosysteme der Meere.
Ein bewussterer Umgang mit marinen Ressourcen, strengere Regulierungen und ein Umdenken im Konsumverhalten könnten dazu beitragen, diese Entwicklung zu bremsen. Doch dafür braucht es vor allem eines: mehr Aufmerksamkeit für das, was unter der Wasseroberfläche geschieht.



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